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KölnSkulptur #8 · 2015–2017

Kurator: Thomas D. Trummer

KölnSkulptur ist eine Ausstellungsreihe, die in biennalem Rhythmus im Skulpturenpark Köln stattfindet und von den Gründern des Parks, Dr. Michael und Dr. Eleonore Stoffel, ins Leben gerufen worden ist. KölnSkulptur #8, die achte Neuinszenierung, ist von Juni 2015 an zu sehen. Eingefasst von stark frequentierten Durchgangsstraßen, besetzt der Skulpturenpark Köln ein Gelände, das zugleich ruhige Enklave und urbane Peripherie, gepflegter Park und Niemandsland ist. Diese räumliche Spannung griff der Kurator der aktuellen Ausstellung, Thomas D. Trummer, bei seiner Künstlerauswahl auf. Sieben neue Arbeiten sind zu sehen, fünf davon wurden in Auftrag gegeben. Allen gemeinsam ist die Idee der Einfassung bzw. ihres Gegenteils, der Ausgrenzung. Die unverrückbare, trotzige Gegenwart dieser Monumente soll anregen, über gegenwärtige politische Entwicklungen in Deutschland und Europa nachzudenken. Sie wirken als Blicksperren, stehen thematisch für Widerstand, Arbeit und Migration, für Wanderung und Weigerung.

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„Skulpturen sind widerständige Setzungen und keine Schmuckinseln.“
Thomas D. Trummer

Der US-amerikanische Konzeptkünstler Tom Burr zeigt in den Rasen gesetzte, verspiegelte Screens. Es entsteht ein Wald aus verdunkelten, reflektierenden und verzerrenden Oberflächen. Lois Weinberger, aus Tirol gebürtig, zieht eine Schneise durch den Park. Sie ist Riss und Kerbe, zugleich Trasse für einwandernde Pflanzen. Das Kunstkollektiv Slavs and Tatars beschäftigt sich mit der Migration von Sprache und der gemeinsamen Wurzel abrahamitischer Religionen, indem es eine riesige Gebetskette aus dem Boden ragen lässt. Amalia Ulman, gebürtig aus Buenos Aires, zeigt einen Rollstuhl, der den kleinen Drahtgeflechten nachgebildet ist, die lateinamerikanische Migranten in ihrer neuen Heimat Kalifornien feilbieten. Dazu läuft ein Tonband mit der Stimme der Künstlerin. Die aus Belgien stammende Edith Dekyndt arbeitet mit ephemeren Erscheinungen wie Wind, Wetter und Gezeiten. Sie hat die stählernen Eingangstore des Skulpturenparks mit Kupfer verkleidet. Witterungseinflüsse werden das Kupfer allmählich mit grüner Patina überziehen und es so der umgebenden Natur angleichen. Santiago Sierra, in Madrid ansässig, zeigt einen riesenhaften, schwarzen Kubus aus Beton. An einer Außenseite stehen in Metallziffern die Arbeitsstunden, die zu seiner Herstellung nötig waren. Der mächtige Block ist wie eine makellose Kaaba, die von Entbehrung, Arbeit und Ausbeutung erzählt. Matt Mullican, der in Berlin lebende US-Künstler, bringt sein enzyklopädisches Weltsystem auf zwei Bänken auf, die zum Sitzen, aber auch zum Entziffern einladen.

Einen Großteil des Werkbestandes beließ Thomas D. Trummer im Park, setzte jedoch mit Verschiebungen neue Akzente. Darunter sind die Arbeiten der beiden deutschen Künstler Ulrich Rückriem und Günther Förg.
Ulrich Rückriem ist ein Bildhauer, der in Köln und London wohnt. Er schneidet seine Skulpturen direkt im Steinbruch aus dem Fels und unterlässt jede weitere Bearbeitung. Die Bohrungen und Bruchlinien des Granits bleiben sichtbar. Ein Ensemble von vier Quadern ist nun zentral im Park positioniert. Günther Förg, der hauptsächlich als Maler und Grafiker wirkte, vergegenwärtigt mit seinem hoch aufragenden Bronzeguss die manuellen Spuren der Bearbeitung: Kerben, Bahnen, Knoten und Knetmassen. Das erinnert an die ursprünglich weiche und bearbeitbare Textur des Materials. Und doch stellt sich der Block als unüberwindliches Architekturelement dar. Er setzt sich als gestische Wand dem Besucher entgegen.

Thomas D. Trummer
Kurator der Ausstellung KölnSkulptur #8

Neue Positionen in dieser Ausstellung

Tom Burr No Access, 2015
Edith Dekyndt The Fences, 2015
Günther FörgOhne Titel, 1994
Matt Mullican 5 Worlds, 12 Benches, 2013
Ulrich RückriemGranit, Bleu de Vire, gespalten, 1982
Santiago Sierra583 Stunden Arbeit, Skulpturenpark Köln, Mai 2015
Slavs and TatarsAÂ AÂ AÂ UR, 2015
Amalia UlmanStock Image of War (Hospital), 2015
Lois WeinbergerSpur, 2015

Bestandspositionen aus vorhergehenden Ausstellungen:

James Lee ByarsUntitled (Sigmund Freud), 1989
Nina CanellPower (Powerless), 2013
Bogomir EckerOhr, 1986
Fischli/WeissGarten, 1997/1999
Sou FujimotoGarden Gallery, 2011
Dan GrahamGreek Cross Labyrinth, 2001
Lena HenkeThe Doors, 2013
Jenny HolzerAmbition is just …, 1997
Bethan HuwsYsgol, 2013
Leiko IkemuraKatzenmädchen mit rhein-Blick, 1999
Anish KapoorUntitled, 1997
Stefan KernOhne Titel (Tribüne), 1996
Hubert KiecolRheinwein, 2011
Per KirkebyLæsø-Kopf II, 1983
Klara LidénHarvest Moon, 2013
Jorge PardoTomatensuppe, 1997
Manfred PernicePeilanlage Forelle, 2003
Mandla ReuterDer Park, 2011
Ulrich RückriemOhne Titel, 2001 Granit, schwarz, Schweden, gespalten, geschnitten, geschliffen, 1986
Michael SailstorferHoher Besuch – Köln, 2009
Karin SanderParadise 231, 2013/2015
Thomas SchütteWeinende Frau, 2011
Joel ShapiroUntitled, 1996/1999
Andreas SlominskiDer Parkplatz, 2007
Mauro StaccioliUntitled, 1999
Mark di SuveroRacine du Naos, 1996
Rosemarie TrockelL’Arc de Triomphe (Der armselige Baum/Die Zuwenignis), 2006
Simon UngersMonolith, 1999
Bernar VenetFour Arcs of 235,5°, 1999
Bernard VoïtaGreen Memories, 2011
Paul WallachRing-Around, 1999
Martin WillingQuadratschichtung, zweiachsig, wachsend, 1999/2000
Heimo ZobernigSpartakus Catering, 1998/2001