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KölnSkulptur #9 · 2017-2019

La Fin de Babylone. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!

Kuratorin: Chus Martínez

Die Ausgabe von KölnSkulptur #9 ist eine ganz besondere, da der Skulpturenpark Köln seinen 20. Geburtstag feiert. Unter dem Titel La Fin de Babylone. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin! wurde diese Ausgabe von Chus Martínez kuratiert. Dazu sind acht künstlerische Arbeiten neu produziert worden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Erinnern Sie sich an die Märchen aus Tausendundeiner Nacht? Seit ihrer Übersetzung durch Antoine Galland aus dem Arabischen ins Französische zu Beginn des 18. Jahrhunderts haben diese Geschichten die Fantasie angeregt. In der Nacht des 8. Mai 1709 vermerkt Galland in seinem Tagebuch eine außergewöhnliche Geschichte, die ihm ein syrischer Kaufmann erzählt hatte: die Geschichte von Aladin und seiner Wunderlampe. Die Nacht damals verlief dramatisch, geprägt von Gewaltaufständen wegen Nahrungsknappheit.

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Hanna Diyab war ein syrischer Handelsreisender, der just um jene Zeit in Paris eintraf und einige dieser finsteren Nächte in wahrhafte Erzählstunden verwandelte. Auf diese Weise beeinflusste er auch das Schicksal eines Buches – „Tausendundeine Nacht“ – denn die Geschichten, die er erzählte, wurden der Übersetzung beigefügt und als Literatur zum Welterbe. Gewiss wäre es unzutreffend, vergliche man die neu entstandenen Arbeiten für die 9. Ausgabe der Ausstellungsreihe KölnSkulptur mit diesen Erzählungen. Doch den Park selbst darf man sich sehr wohl als besonders geeigneten Ort für die Kräfte der Fiktion vorstellen. Gleich der Scheherazade, dieser schlauen jungen Frau, die dem Sultan jede Nacht eine Geschichte erzählt, um zu überleben, so ist auch der Skulpturenpark Köln durch alle seine Ausgaben hindurch diese fortwährende Stimme, die uns die Möglichkeiten in Erinnerung ruft, die wir noch besitzen, um zu überleben – und dies tut durch die Mittel der Kunst.

Der Skulpturenpark Köln ist in seiner räumlichen Ausdehnung nicht riesig, dennoch besitzt er enorme Bedeutung. Die letzten zwei Jahrzehnte hindurch war er Ort, Schauplatz und Heimat der Werke, die für ihn, für Sie, geschaffen wurden. Der Titel der diesjährigen Ausgabe lautet La Fin de Babylone und bezieht sich auf den Traum eines Neuanfangs der Kultur und damit der Gesellschaft. Derartiges gibt es nicht – und gibt es doch. Einerseits müssen wir das Leben nehmen wie es ist, die Umstände sind schwer zu verändern und unsere Einflussmöglichkeiten bleiben beschränkt. Es gibt Zeiten, wo wir meinen, in der Vergangenheit sei es besser gewesen, und andere Zeiten, die wir als voller Möglichkeiten und Offenheit begreifen. Den Unterschied zwischen diesen beiden Wahrnehmungen bestimmt die Art und Weise, wie wir unsere vergleichsweise Unwichtigkeit betrachten. Oh! Sie können einwenden, es läge an der Ökonomie. Doch selbst wenn die Wirtschaft floriert, ist nicht garantiert, dass eine soziale Umgebung geschaffen ist, in der wir uns als bedeutsam für andere erfahren, in der wir das Gefühl haben, Einfluss auf die Gemeinschaft nehmen zu können, am Verlauf der Ereignisse teilzuhaben oder diese gar zu feiern … An dieser Stelle biete ich eine totale Übertreibung: Man stelle sich vor, dass die Produktion dieser acht neuen, ortsspezifischen Werke, die sich zu den bereits bestehenden auf diesem Gelände hinzugesellen, der Schlüssel für den Beginn einer neuen Welt ist. Ich fordere Sie daher nicht nur dazu auf, diesen Park zu durchstreifen und die unterschiedlichen Werke zu entdecken, sondern ich wünsche mir, dass Sie deren Existenz als Wunder betrachten, das die Ordnung der Welt beeinflussen kann. Das ist übertrieben, denn so ist Kunst.

Darum zum zweiten Teil des Titels: Mich wundert, dass ich so fröhlich bin! Dieser Satz, voller gesundem Humor, bezieht sich nicht auf uns, sondern auf jene Anstrengungen, die Kunst stets unternimmt, um jedes Mal, wenn sie geschieht, großartig zu sein. Kunst und Künstler:innen sind es, die den Einsatz wagen, die sichtbar werden lassen, dass es tatsächlich wert ist einzugreifen, und die für den Park Beiträge geben, die nicht bloß für ein Stück Land bestimmt sind, sondern für eine ganze Welt. Diese notwendige „Übertreibung“ ist es, die motiviert, über Möglichkeiten der Einflussnahme nachzudenken, was einfach und komplex zugleich ist. Das mag der Grund dafür sein, dass die unterschiedlichen Arbeiten dieser Ausgabe eher nicht-monumental sind. Sie verkörpern ja bereits den enormen Versuch, die Wirklichkeit zu beeinflussen und uns auf eine Weise zu berühren, in welcher jedes Stückchen Skeptizismus oder Zynismus gegenüber der Bedeutung von Kunst zum Verschwinden gebracht wird. Haben wir uns erst der Last des Zweifels entledigt, werden wir alle eine neue Freude erfahren.

Chus Martínez
Kuratorin der Ausstellung KölnSkulptur #9

Neue Positionen in dieser Ausstellung

Andrea BüttnerSchale, 2017
Claudia ComteThe Nordic Cactuses, 2017
Jan KieferOhne Titel (Kreuz und Schnaps), 2017
Eduardo NavarroLetters to Earth, 2017
Solange PessoaUntitled, 2017
Lin May SaeedThaealab, 2017
Teresa SolarPumping Station, 2017
Pedro WirzTrilobites, 2013/2017

Bestandspositionen aus vorhergehenden Ausstellungen:

Tom BurrNo Access: cluster one (B, D, E, I, M), 2015/2017
James Lee ByarsUntitled (Sigmund Freud), 1989
Nina CanellPower (Powerless), 2013
Edith DekyndtThe Fences, 2015
Jimmie DurhamPagliaccio non son, 2011
Bogomir EckerOhr, 1986
Fischli/WeissGarten, 1997/1999
Barry FlanaganLarge Mirror Nijinski, 1993
Sou FujimotoGarden Gallery, 2011
Dan GrahamGreek Cross Labyrinth, 2001
Lena HenkeThe Doors, 2013
Jenny HolzerAmbition is just …, 1997
Bethan HuwsYsgol, 2013
Leiko IkemuraKatzenmädchen mit rhein-Blick, 1999
Anish KapoorUntitled, 1997
Stefan KernOhne Titel (Tribüne), 1996
Hubert KiecolRheinwein, 2011
Per KirkebyLæsø-Kopf II, 1983
Klara LidénHarvest Moon, 2013
Jorge PardoTomatensuppe, 1997
Manfred PernicePeilanlage Forelle, 2003
Mandla ReuterDer Park, 2011
Ulrich RückriemOhne Titel, 2001 Granit, schwarz, Schweden, gespalten, geschnitten, geschliffen, 1986
Michael SailstorferHoher Besuch – Köln, 2009
Karin SanderParadise 231, 2013/2015
Thomas SchütteWeinende Frau, 2011
Joel ShapiroUntitled, 1996/1999
Andreas SlominskiDer Parkplatz, 2007
Mauro StaccioliUntitled, 1999
Mark di SuveroRacine du Naos, 1996
Rosemarie TrockelL’Arc de Triomphe (Der armselige Baum/Die Zuwenignis), 2006
Amalia UlmanStock Image of War (Hospital), June 2015
Simon UngersMonolith, 1999
Bernar VenetFour Arcs of 235,5°, 1999
Bernard VoïtaGreen Memories, 2011
Paul WallachRing-Around, 1999
Lois WeinbergerSpur, 2015
Martin WillingQuadratschichtung, zweiachsig, wachsend, 1999/2000
Heimo ZobernigSpartakus Catering, 1998/2001