• English

KölnSkulptur #10 · 2020–2023

ÜberNatur – Natural Takeover

Kurator: Tobias Berger

Der Skulpturenpark Köln ist ein besonderer Ausstellungspark, an dem die einstmals von Michael und Eleonore Stoffel zusammengetragene Sammlung gemeinsam mit Leihgaben vergangener KölnSkulptur-Ausgaben präsentiert wird.

Alle zwei Jahre ergänzen wechselnde Kurator:innen den Parkbestand um neue Arbeiten, die zum Großteil speziell für die Ausstellung konzipiert werden. Der Skulpturenpark Köln ist ein interessanter Hybrid aus Dauer- und temporärer Gruppenausstellung. ÜberNatur – Natural Takeover ist die inzwischen 10. Ausgabe der KölnSkulptur. Inspiriert von der Lage des öffentlichen Parks zwischen Rhein, Kölner Zoo, Flora und Botanischem Garten wurden diesmal Arbeiten in Auftrag gegeben, die sich mit dem Thema Natur auseinandersetzen und auf diese Weise mit ihrer Umgebung korrespondieren.

https://www.skulpturenparkkoeln.de/wp-content/uploads/2026/02/Katalogcover-10.jpg

Lois Weinbergers Spur (2015) kann als Fundament für die diesjährige Ausstellung betrachtet werden. Bei der für die KölnSkulptur #8 in Auftrag gegebenen Arbeit handelt es sich um eine sechzig Meter lange, durch den Park geschlagene Schneise, in der nach und nach ein Ökosystem aus (Unkraut-)Pflanzen und Tieren entstanden ist. Die Schneise ist ein Einschnitt in die Parklandschaft und fragt nach den Bezügen zwischen artifizieller Planung und natürlicher Pflanzung. Das Oszillieren zwischen „Natürlichkeit“ und „Künstlichkeit“ und die Infragestellung dieser gegensätzlichen, ohnehin vagen und wechselhaften Begriffe bildete den Ausgangspunkt für Überlegungen darüber, welche Kunstwerke für die KölnSkulptur #10 ausgeliehen oder in Auftrag gegeben werden sollten. Die aktuelle Ausgabe betont den „Park“ im „Skulpturenpark“ sowohl als konkrete Örtlichkeit, als auch im Hinblick auf die wachsende Sorge um den Platz des Menschen in einem größeren ökologischen Kontext, in dem Menschen, Tiere und Pflanzen in mannigfachen Zusammenhängen und vor dem Hintergrund der Umwelt- beziehungsweise Klimakrise koexistieren.

KölnSkulptur #10 öffnet inmitten einer verheerenden globalen Pandemie, die durch den seltenen Übersprung eines Virus von einem Tier auf den Menschen ausgelöst wurde. Durch die immer stärkere Vernetzung der Welt konnte sich das Virus millionenfach verbreiten. Die „neue Normalität“, mit der wir durch die Pandemie konfrontiert sind, lässt uns die Welt mit anderen Augen betrachten. Kunst und Kunstausstellungen sind davon nicht ausgenommen. Es kommt jetzt darauf an, das gesellschaftliche Bewusstsein für die globalen Folgen des wirtschaftlichen Wachstumsstrebens und dessen Auswirkungen auf die Umwelt zu schärfen. Gleichzeitig geht es darum, sich wieder auf die visionäre Kraft der Kunst und ihre Fähigkeit zu besinnen, Neues zu denken und neue Sinn-Formen zu erschließen, vor allem solche, die von Logiken der Nützlichkeit und Effizienz unberührt sind.

ÜberNatur – Natural Takeover hinterfragt die Monumentalität von Außenskulpturen. Die Ausstellung changiert zwischen klein- und großformatigen Exponaten. Bei der kleinsten Arbeit von Ayşe Erkmen handelt es sich um eine Nachbildung der letzten hawaiianischen Baumschnecke, die Lonely George genannt wurde und 2019 starb, nachdem Wissenschaftler:innen vierzehn Jahre lang erfolglos versucht hatten, eine Partnerin für den Gastropoden zu finden. Bei der größten Arbeit von Dane Mitchell handelt es sich um zwei künstliche Bäume, die zur Tarnung von Funkmasten und Überwachungstechnologien in China massenproduziert werden. Sie wurden von der letztjährigen Biennale in Venedig, wo sie als Beitrag des Neuseeländischen Pavillons zu sehen waren, nach Köln gebracht.

Neben diesen beiden Arbeiten können Besucher:innen fünf weitere Werke erleben, die grundlegende Fragen der Geburt, des Entstehens, des Wachstums und des Verfalls berühren. Dabei werden verschiedene Stränge unterschiedlicher Ebenen miteinander verwoben, um vielfältige Verbindungen zu schaffen.

Im Zentrum der „neuen Normalität“ steht das Bedürfnis zu kommunizieren, verstanden zu werden und zu verhandeln. Mary Bauermeisters Skulptur Rübezahl kann als Mittelangesehen werden. Die Arbeit bietet den Besucher:innen einen Ort zum Nachdenken und Sichversenken und öffnet einen Raum, an dem die Natur übernimmt.

Tobias Berger
Kurator der Ausstellung KölnSkulptur #10

Neue Positionen in dieser Ausstellung

Mary BauermeisterRübezahl, 2020
John BockSchlupf, 2020
Leelee ChanBlindfold Receptor (Gulf Frit. Orange), 2020
Ayşe ErkmenLonesome George, 2020
Dane MitchellPost hoc, 2019/2020
Katja NovitskovaApproximation (corn snakes hatching), 2017
Guan XiaoOld Eggs and the Catcher, 2020
Trevor YeungTwo Reliers, 2020

Bestandspositionen aus vorhergehenden Ausstellungen:

Tom BurrNo Access: cluster one (B, D, E, I, M), 2015/2017
James Lee ByarsUntitled (Sigmund Freud), 1989
Nina CanellPower (Powerless), 2013
Edith DekyndtThe Fences, 2015
Bogomir EckerOhr, 1986
Fischli/WeissGarten, 1997/1999
Sou FujimotoGarden Gallery, 2011
Dan GrahamGreek Cross Labyrinth, 2001
Lena HenkeThe Doors, 2013
Jenny HolzerAmbition is just …, 1997
Leiko IkemuraKatzenmädchen mit rhein-Blick, 1999
Anish KapoorUntitled, 1997
Stefan KernOhne Titel (Tribüne), 1996
Hubert KiecolRheinwein, 2011
Per KirkebyLæsø-Kopf II, 1983
Klara LidénHarvest Moon, 2013
Jorge PardoTomatensuppe, 1997
Mandla ReuterDer Park, 2011
Ulrich RückriemOhne Titel, 2001
Granit, schwarz, Schweden, gespalten, geschnitten, geschliffen, 1986
Michael SailstorferHoher Besuch – Köln, 2009
Karin SanderParadise 231, 2013/2015
Thomas SchütteWeinende Frau, 2011
Joel ShapiroUntitled, 1996/1999
Andreas SlominskiDer Parkplatz, 2007
Mauro StaccioliUntitled, 1999
Mark di SuveroRacine du Naos, 1996
Rosemarie TrockelL’Arc de Triomphe (Der armselige Baum/Die Zuwenignis), 2006
Simon UngersMonolith, 1999
Bernar VenetFour Arcs of 235,5°, 1999
Bernard VoïtaGreen Memories, 2011
Paul WallachRing-Around, 1999
Lois WeinbergerSpur, 2015
Martin WillingQuadratschichtung, zweiachsig, wachsend, 1999/2000
Heimo ZobernigSpartakus Catering, 1998/2001